Presse 2017

Kieler Nachrichten - Donnerstag, 26.10.2017 - Kerstin v. Schmidt-Phiseldeck

Hier steht die Ausbildung im Mittelpunkt
Gut 24 Aussteller präsentieren sich auf Messe in der Altenholzer Edgar-Meschkat-Halle

Altenholz. Wie geht’s weiter nach der Schule? Antworten darauf bietet zum achten Mal das Ausbildungsforum Altenholz. Mindestens 24 Aussteller präsentieren sich am Freitag, 3. November, von 11 bis 13.30 Uhr in der Edgar-Meschkat-Halle in Altenholz-Stift. „Mittlerweile müssen wir fast keine Werbung mehr machen“, sagt Rolf Lorenzen. Viele Aussteller wüssten den familiären Charakter der Messe längst zu schätzen. Die Idee dafür hatte der selbstständige Elektromeister und TSV-Vorsitzende vor Jahren mit seiner Frau entwickelt. Und immer noch ist das Paar Motor der Messe, die die Gemeinde von Anfang an mit unterstützt hat, erklärt Bürgervorsteher Wolfgang Weiß. Auch der Umzug in die Edgar-Meschkat-Halle habe sich bewährt. Gemeinschaftsschule und Gymnasium schicken regelmäßig etwa 300 Schüler zu dem Forum, erklärt Rolf Lorenzen. Doch die Veranstaltung steht jedem offen – zum Beispiel auch Erwachsenen, die eine Fortbildung oder einen Wiedereinstieg in den Beruf suchen. Auch für Flüchtlinge und ihre Betreuer sei die Messe eine gute Plattform: „Wo habe ich so ein Angebot auf engstem Raum?“ Zudem seien es oft Azubis oder jüngere Mitarbeiter, die an den Infoständen beraten – auf Augenhöhe mit den Besuchern. Auch der Zeitraum mit geballten Informationen innerhalb von gut zwei Stunden habe sich bewährt. Erfahrungsgemäß melden sich auch noch Nachzügler als Aussteller für die Messe an, weiß Rolf Lorenzen. Die gesamte Veranstaltung sei ehrenamtlich und kostenlos. „Deshalb kommen die Aussteller auch so gerne.“ Neu dabei sind in diesem Jahr die Firmen Bünning Treppenbau aus Osdorf sowie Dubau Kiel. Nach einer Pause wieder dabei ist OAR Gartenservice aus Dänischenhagen. Auch zu weiterführenden Schulen oder einem freiwilligen sozialen Jahr gibt es Informationen. Rolf Lorenzen verweist darauf, dass an der Kieler Uni gerade 5000 Studienanfänger gestartet sind. Das Interesse am klassischen Handwerk lasse hingegen nach – eine Entwicklung, die ihm Sorge bereitet. Hatte er früher 15 bis 20 Bewerbungen pro Jahr in seinem Betrieb, gab es für das Jahr 2018 nur noch eine einzige: „Wir haben einen Bauboom ohne Ende – aber es kommt kein Nachwuchs.“

 


Kieler Nachrichten - Samstag, 04.11.2017 - Jan v. Schmidt-Phiseldeck

Baustelle Ausbildungsmarkt
1500 Lehrstellen sind unbesetzt - Schuld haben laut Gewerkschaft auch die Firmen selbst

Kiel. Für viele Betriebe in Schleswig-Holstein wird es zunehmend schwieriger, Nachwuchsfachkräfte zu finden. Rolf Lorenzen, selbstständiger Elektromeister aus Altenholz, kann davon ein Lied singen: 15 bis 20 Bewerbungen trudelten früher in seinem Ausbildungsbetrieb ein, in diesem Jahr war es lediglich eine. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Etwa 1500 Ausbildungsplätze sind im Norden laut Arbeitsagentur unbesetzt, 2000 Schulabgänger aber weiterhin auf der Suche. Margit Haupt-Koopmann, Agenturchefin der Regionaldirektion, fordert deshalb von Arbeitgebern und Jugendlichen gleichermaßen Flexibilität und Kompromissbereitschaft: „Die Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage nehmen sonst weiter zu.“ Auch die Metall- und Elektroindustrie schlägt Alarm: „Wir haben mit immer mehr unbesetzten Ausbildungsstellen zu kämpfen. Alleine in unserer Branche müssen wir von etwa fünf Prozent ausgehen“, sagt Nordmetall-Verbandschef Nico Fickinger.

BildkTraumberuf Baggerfahrer? Die Baubranche boomt, doch vielen Firmen gehen die Fachkräfte von morgen aus.
Foto: Jens-Ulrich Koch

Als hausgemacht bezeichnet der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) diese Probleme: „Es wird deutlich, dass die Ausbildungsqualität der Betriebe im Norden vielfach zu gering und ihre Ansprüche an die Bewerber zu hoch sind“, sagt Ingo Schlüter, stellvertretender Vorsitzender des DGB Nord. Insbesondere dort, wo seit Jahren Ausbildungsbedingungen kritisiert würden wie in Einzelhandelsberufen oder im Hotel- und Gaststättengewerbe, müssten Arbeitgeber reagieren. „Wenn sie nicht branchenbezogene Qualitätsoffensiven ausrufen und eine bessere Bezahlung anbieten, wird ihre Fachkräftelücke immer größer.“ Etwa ein Drittel der Betriebe hätten Probleme, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen, sagt Hans Joachim Beckers, Leiter des Geschäftsbereichs Aus- und Weiterbildung der IHK. Unternehmen seien deswegen gefordert, „mehr mit dem Pfund der guten Chancen nach einer Ausbildung wuchern, da muss mehr gemacht werden“, sagt Beckers. Während früher eher Realschüler eine Ausbildung angestrebt hätten, seien durch die Zahl der Schulabgänger mittlerweile mehr Abiturienten unter den Bewerbern: „Und viele junge Leute halten dann unverdrossen an einem Berufswunsch fest, obwohl Wunsch und Wirklichkeit nicht zusammenpassen.“ Gerade in der Phase der Berufsorientierung müsse jedoch durch schulische Begleitung sichergestellt werden, dass sich junge Menschen anhand ihrer Fähigkeiten „möglichst breit aufstellen“, sagt Beckers. Gerade für kleinere Betriebe sei es wichtig, motivierte Bewerber zu bekommen: „Wer lange sucht und niemanden findet, der zum Betrieb passt, steigt aus der Ausbildung aus.“

Dieses Problem kennt auch Elektromeister Rolf Lorenzen: „Viele Betriebe wollen nicht mehr ausbilden, weil ihnen das zu aufwendig ist.“ Er selbst sieht die Ausbildung hingegen als Verpflichtung – schließlich hat er den Meistertitel erworben, der dazu berechtigt. Um Nachwuchs zu werben, hatte er vor einigen Jahren mit seiner Frau Fiona die Idee für ein Ausbildungsforum. Auch die Gemeinde trägt diese Berufsmesse mit, zu deren achter Auflage gestern etwa 300 Schüler in die Edgar-Meschkat-Halle nach Altenholz kamen. „Wir haben ein Riesenproblem, Auszubildende zu finden. Betriebe und Verbände müssen jetzt aus dem Quark kommen, sonst wird das Fachkräfteloch immer größer.“ Das Problem seien dabei nicht nur die Betriebe, die sich dieser Thematik nicht stellten und ihre Berufe nach außen attraktiv bewerben würden, sondern auch die Schüler selbst: „Da fehlt die Zielrichtung, das ist erschreckend.“ RolfkDennoch halte er das Ausbildungsforum für den richtigen Weg: „Wir machen das auch im nächsten Jahr. Das ist eine wichtige Aufgabe, der sich auch weitere Betriebe anschließen sollten“, sagte Lorenzen. „Nur wer heute gut und ausreichend ausbildet, wird morgen auch genügend Fachkräfte haben“, sagt auch Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP). Er appelliert an die Unternehmen, keinen Ausbildungsplatz unbesetzt zu lassen. Von der Sicherung des Fachkräftenachwuchses hänge die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit ganzer Branchen im Land ab.

Rolf Lorenzen, Elektromeister aus Altenholz

 


ME2BE - Mirja Wilde

Ausbildungsforum Altenholz 03.11.2017
Am Freitag, den 03.11.2017 lockte das Ausbildungsforum mit mehr als 20 Ausstellern, die Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschule und des Gymnasiums Altenholz in die Edgar-Meschkat-Halle, wo sie sich über Ausbildungsmöglichkeiten und Studiengänge informieren konnten. Zum 8.Mal veranstaltete Elektro Lorenzen in Kooperation mit der Gemeinde Altenholz und dem TSV Altenholz diese Messe, um den Jugendlichen im Umkreis eine Perspektive für die Welt nach der Schule zu geben. Um dem ein oder anderen orientierungslosen Schüler den richtigen Weg in die Welt der Ausbildungen zu erläutern, war unser ME2BE-Team auch hier wieder mit dabei.

Von 11-13:30 waren die Türen der Edgar-Meschkat-Halle für interessierte Jugendliche geöffnet und dieses Angebot wurde in der Pause spontan auch von Schülerinnen und Schülern der unteren Jahrgänge genutzt. Denn „dass die Sporthalle während der Schulzeit nicht nur für Sportunterricht genutzt wird, passiert nicht so häufig, da sind wir schon mal neugierig“, erzählte uns der Sechstklässler Lucas, bevor er in seinen Unterricht zurück musste.

In Schüben kamen dann die Schülerinnen und Schüler der 8., 9. Und 10. Klassen in die Halle und nutzten die eingeplante Zeit sich ausführlich von ausgewählten Ausstellern beraten zu lassen. Bei einer kurzen Runde durch die Menge trafen wir die Firma Bünning, ein Zimmereibetrieb, der auf Treppenbau spezielisiert ist. Am Stand begrüßt uns Tjark, der die Ausbildung zum Tischler bei Bünning absolviert. Er erzählt uns, dass er Geschichte und Deutsch auf Lehramt in Flensburg studiert hat, dieses Studium aber abgebrochen hat. Lehrer will er zwar immer noch werden – aber an der Berufsschule und dafür brauch er eine abgeschlossene Ausbildung. Da er durch seinen Nebenjob auf dem Schrottplatz wusste, dass er gerne anpackt und sein Vater ebenfalls Tischler ist, entschied er sich für dieses Handwerk. Es ist also kein Weltuntergang, wenn man im Studium merkt, dass man sich vielleicht doch nicht das Richtige ausgesucht hat. Man muss nur mutig genug sein, einen anderen Weg einzuschlagen. „Für mich war es die richtige Entscheidung!“, so Tjark.

Am Stand von seinem Arbeitgeber Bünning gibt er jetzt weiter, was er schon gelernt hat. Der Stand ist gut besucht, denn bei Bünning konnten die Schülerinnen und Schüler das Tischlerhandwerk direkt testen, indem sie kleine Holzblöcke zu Häuschen zurechtsägten. „Wir haben generell immer was zum Basteln dabei, gerade im Handwerk macht das ja Sinn“, erklärte Tjark.

 

 

 

Bei Bünning wurden kleine Holzshäsuer gesägt und verziert.

Ich möchte auf jeden Fall etwas bewirken!                                                     

Zurück an unserem ME2BE-Stand sprach uns die Neuntklässlerin Laura an, die sich allgemein einmal über Ausbildungen informieren wollte. Sie erzählt uns, dass sie bereits ein Praktikum bei der Polizei gemacht hat. „Ich weiß nicht, ob ich den Belastungen im Schichtdienst und der Konfrontation mit dem Tod standhalten kann. Ich möchte aber auf jeden Fall etwas bewirken“. Berechtigte Sorgen! Ein weiteres Praktikum beim Zoll, soll ihr bei einer Entscheidung helfen. Wir finden, dass Laura ihre Berufswahl genau richtig angeht. Sie verfolgt ihre Interessen und macht Praktika, um herauszufinden, ob es das Richtige ist.

Gegen Ende der Messe besuchten uns erneut Sechstklässler am Stand. Die motivierten Schülerinnen Leonie und Mia. „Bei uns ist die 6. Schulstunde ausgefallen, da war uns langweilig und wir dachten wir schauen einfach mal vorbei und nutzen die Zeit sinnvoll.“ Auch wenn die Ausbildungssuche ja noch ein wenig Zeit hat, wollten wir wissen, ob sie denn schon Berufswünsche haben. „Wir wollen beide Tierärztin werden“ schoss es fast wie aus der Pistole und Leonie ergänzte noch „oder Polizistin, fände ich auch gut. Polizeireiterin wäre toll, weil ich ein eigenes Pferd habe“. Von so viel Motivation sind wir natürlich begeistert. Man kann nie früh genug anfangen, sich Gedanken um die Zukunft zu machen.


Pausenzulauf beim Ausbildungsforum Altenholz

Unser Fazit:
Klein, aber fein! Das Ausbildungsforum in Altenholz bietet den Schülerinnen und Schülern eine super Gelegenheit, sich über Perspektiven in ihrer Region zu informieren! Auch im nächsten Jahr sind wir gerne wieder dabei!

Alles Liebe
Eure ME2BEs

Text: Mirja Wilde
Fotos: Sabrina Meyn, Mirja Wilde